(un)begrenzte Möglichkeiten – der Verzweiflung

Wortlose Worte

Sie glauben zu glauben.
Sie denken zu denken.
Sie meinen eine Meinung zu haben.
Sie fürchten die Furcht
und ängstigen sich vor der Angst.
Sie hassen den Hass
und finden im Frieden keinen Frieden.

Selbst Unerhörtes findet plötzlich Gehör
und Undenkbares wird wieder gedacht
vom Ungesagten ganz zu schweigen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich etwas weiß,
hoffe, die Hoffnung nicht zu verlieren
und versuche verzweifelt,
nicht zu verzweifeln.

(Gerhard Feil)

Verbunden sein

Mit dir
verbunden sein
körperlich
geistig
emotional
Ich habe noch nicht einmal gewählt –
da scheitert es bereits am Freizeichen

(Gerhard Feil)

Erfülltes Leben

So voller Gefühle ist mein Leben,
dass sie manchmal über den Rand
des Erträglichen schwappen.

Ich fühle die Leere im Tag.
Ich fühle in der Nacht
den freien Platz an meiner Schulter.
Ich fühle mich nicht nur frei,
sondern auch die Freiheit,
nicht gebraucht zu werden.
Ich fühle mich hingezogen –
und abgewiesen.

So voller Gefühle ist mein Leben,
dass man später mal wird sagen können,
er habe ein durchaus erfülltes Leben geführt.

(Gerhard Feil)

Vom Rand der Verzweiflung

Annähernd grenzenlose Gefühle
wecken nahezu unbegrenzte Hoffnungen,
haben aber offenbar
keineswegs alle Zeit der Welt
und per se nie genug Raum.
Ausgerechnet das Grenzenlose
stößt sich immer wieder
an den Grenzen der Möglichkeiten.

(Gerhard Feil)

Ehrlichkeit

Man kann nicht alle betrügen
und dabei sich selbst
noch treu bleiben.

Und man kann nicht
allen anderen treu bleiben
indem man sich selbst betrügt.

(Gerhard Feil)

Mehr brauchen wir nicht

Wir haben genug
von allem für alle
Wir brauchen nur weniger
Neid, Gier und Gewalt.

(Gerhard Feil)

So schließt sich der Kreis

Manche glauben zu wissen,
dass man keinem glauben darf.
Jenen nicht glauben zu dürfen,
glaube ich zu wissen.

(Gerhard Feil)

Erleichterung

Die Schmetterlinge
im Bauch
für zu schwer befunden
und abgeführt.

(Gerhard Feil)

Selbstreflexion

Der Weg, den wir gehen,
liegt zu unseren Füßen,
und alles, was das Leben ausmacht,
liegt am Wegesrand.

Getrieben von Freude und Hoffnung,
gebremst von Zweifel und Ängsten,
gelegentlich kurz innegehalten,
überwiegend aber geschlendert,
mit dem einen Paar Schuhe,
die man Lebenszeit nennt,
war ich stets auf eines bedacht:

Mich auf meinem Weg nie zu weit
von mir selbst zu entfernen.

(Gerhard Feil)

Weit sind wir gekommen


Weit sind wir gekommen,
seit wir von den Bäumen stiegen,
weit hinter unseren Horizont
bis tief ins All.
Weit weg von Idealen,
weit über die Grenzen hinaus,
die uns moralisch gesetzt waren.
Weit weg von unserem Glauben,
weit hinter die Möglichkeiten
unserer Menschlickeit.

Weit sind wir gekommen
und werden sogar
noch weiterkommen,
weiter wegschauen
weiterlügen und uns
weiter die Köpfe einschlagen
und die Umwelt zerstören.

Der Weg ist ein Kreis
und wir gehen ihn weiter
bis zu seinem Anfang,
bis wir wieder auf Bäumen sitzen
und uns denken werden:
Weit sind wir nicht gekommen.

(Gerhard Feil)

© Gerhard Feil   https://www.gegge.de