Gottes Träne — Overtüre zum beseelten Leben



Gerhard Feil·Samstag, 24. Februar 2018
Die Geschichte der Entstehung des Lebens; warum dies nichts mit Gott zu tun hat — und dennoch nicht ohne ihm auskommt. Und … was das alles mit Musik zu tun hat.

1. von der Evolution der Materie zur Enstehung des Lebens

Vor ungefähr 3,6 Milliarden Jahren auf der Erde.
Eine glutrote Sonne schien schwach durch die dunstige, heiße Atmosphäre aus Ammonium, Methan, Wasserdampf und Wasserstoff. Aus einem riesigen Süßwasser—Ozean ragten vereinzelt erste Kontinente, die von gewaltigen Gezeitenwellen umtost waren.

Die Erde war bereits eine Milliarde Jahre alt und unzählige chemische Reaktionen haben im Laufe dieser Zeit aus Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und anderen Elementen komplexe Moleküle gebildet.
Das alles geschah aus reinem Zufall oder Langeweile heraus, denn für beides war mehr als genügend Zeit. Womöglich aber doch ganz und gar nicht zufällig, sondern einem kosmischen Plan oder dem Zwang der Naturgesetze folgend, entstanden Kristalle, Aminosäuren und Zuckermoleküle.
Seit Anbeginn der Zeit war es nie etwas anderes als eine Frage der Zeit, bis alles, was zusammengehört auch zusammen findet. Bereits im Wechselspiel von Atomen und Molekülen ist die Evolution der Materie zu bemerken; diese Tendenz, sich zu immer vorteilhafteren Formen zu entwickeln.
Und so entstanden auch hochkomplexe Ribonukleinsäure—Moleküle (RNA; die simplere Form der DNA); die jedoch binnen weniger Minuten wieder den Umwelteinflüssen zum Opfer fielen.
Bis eines Tages sich unzählige Fettsäuremoleküle zu einer Blase zusammenfanden und dabei zufällig einen RNA—Strang und Stoffwechselmoleküle umhüllten. Derart geschützt hatte der RNA—Strang nun endlich Gelegenheit sein Potential umzusetzen und diese erste Protozelle aufzufordern zu wachsen und sich zu teilen.
Und sie wuchs und teilte sich, 3 Milliarden Jahre und unzählige Generationen lang. Ihre Nachkommen erlernten die Photosynthese; vor allem Cyanobakterien und Algen, verbreiteten sich in den Ozeanen und reicherten durch ihren Stoffwechsel die Atmosphäre mit Sauerstoff an. Einzeller entwickelten sich zu mehrzelligen Organismen, Quallen und Würmer entstanden.

Mittlerweile war die Erde nun 4 Milliarden Jahre alt und die Atmosphäre enthielt endlich ausreichend Sauerstoff; da wagte das Leben aus dem immer salziger werdenden Ozan auch einen Schritt an Land. Den Nachkommen der Algen wurde der Ozean zu salzig und sie suchten ihre Zukunft als Moos auf den Kontinenten.

2. Donnerschlag



Aus dem einst so trostlosen, öden und lebensunfreundlichen Gesteinsbrocken war ein bunter Planet geworden. Die Kontinente strahlten in Ocker–, Schiefer–und Grüntönen; der Ozean und die Atmosphäre leuchteten nahezu ungetrübt in einem cyanen Blau.
Alles war friedlicher geworden. Tage dauerten nun mehr als dreimal so lang; fast 24 Stunden lies sich der Planet nun Zeit, für eine Drehung um sich selbst. Auch die Ozeane hatten sich beruhigt und die Vulkane waren weitgehend inaktiv. Auf der Oberfläche tummelten sich bereits erste Lebewesen wie Insekten, Würmer, Gräser und Moose.

Es war am frühen Nachmittag, als dunkle Wolken aufzogen und den Tag verfinsterten. Kurz darauf tosten heftige Stürme über Meer und Kontinente. Gigantische Blitze zuckten allerorten vom regennassen Himmel.
Es wurde laut und lauter. Donnerschlag auf Donnerschlag. Stürme pfiffen durch Schluchten, das Grollen des aufgewühlten Ozean, … dann urplötzlich:
Ein Moment der Stille.
Im Auge des gewaltigen Orkans hörte man wie ein Sturm in der Ferne über den hohlen Krater eines Vulkans blies — wie aus einem gigantischen Alphorn ertönte die Resonanz der vibrierenden Luftsäule. Und es gesellten sich zunehmend weitere Töne dazu. Der prasselnde Regen, ein rieselndes Rinnsal, ein gurgelnder Bach, ein tosender Fluß und das rauschende Meer. Hier ein Pfiff, dort ein Heulen und zwischendurch wieder und wieder, Donnerschlag auf Donnerschlag.
Es war eine Melodie in Dur und Moll, von einer Harmonie, Reinheit und Schönheit, daß es einem beinahe das Herz bricht, sich bewußt zu machen, daß Niemand weit und breit es hören konnte. Und obwohl es Niemand hören konnte, war jedes einzelne Molekül auf der Erde in Schwingung geraten, erschaudert, berührt und begeistert … Nach dreizehn Minuten; genau einen einzigen Ton zu früh war es Still. Die ganze Welt schien gespannt auf das Finale zu warten. Sogar die Wolkendecke riss an einer Stelle auf, als wolle Jemand besser sehen könne warum die Melodie nicht beendet wird.
Ein Sonnenstrahl brach sich in einem Regenbogen, aus dem sich, vom Licht durchflutet, ein Wassertropfen fallen lies. Dieser eine Regentropfen fiel so langsam wie er nur zu fallen vermochte. Er hatte die Sinfonie vom ersten Ton an in sich aufgesogen und wollte auf keinen Fall das Finale verpassen.

Das kleine „blupp” mit dem er in einer Pfütze aufschlug, durchbrach die Stille und es wäre ihm vermutlich peinlich gewesen, die wundervolle Melodie gestört zu haben — aber in Wirklichkeit war das genau jener letzte Ton um die Melodie in ihrer Vollkomenheit zu vollenden.
Die ganze Welt wollte in Begeisterung ausbrechen und jubelnd klatschen. Aber es gab Nichts und Niemanden, der die Möglichkeit zu jubeln oder gar zu klatschen gehabt hätte.

Ein einzelner Tropfen Wasser, der nicht einmal hören konnte, barg in sich einen Schatz von dem er nicht mehr Begriff, als dass er ihn bewahren musste; und jedes einzelne seiner Atome, verinnerlichte sich die Schwingungen dieser Melodie.
Eine halbe Milliarde Jahre später wird ein unbedeutender Dichter diesen Tropfen als „Die Träne Gottes” bezeichnen.
Aber noch, war er nur ein Tropfen, der vom Himmel fiel, sich in einem Rinnsal wiederfand, zu einen Bach gelangte und mit einem Fluß ins Meer gespült wurde — um als Wasserdampf wieder hoch in den Himmel zu steigen und vom Wind um den Globus getrieben zu werden. Wieder und wieder, 40 Millionen Jahre lang folgte der Tropfen diesem Kreislauf der Dinge; und alles was mit ihm in Berührung kam wurde infiziert mit seinem inneren Klang, der Melodie der Hoffnung und Sehnsucht — dem Liebeslied des Lebens.

In allem was Heute ist — ist ein Bruchstück dieser Melodie zu finden. Selbst ein Stein, der zerbricht, gibt einen Teil davon geräuschvoll preis. Und in jedem Lebewesen ist zudem auch das Bewußtsein, dass dieses verinnerlichte Bruchstück nur ein klitzekleiner Teil einer perfekten Melodie ist. Das Wissen um diese Melodie erweckt die Seele zum Leben und füllt uns mit der Sehnsucht, diese einmal dagewesene Harmonie, die nie gehört worden ist, zu finden und hören zu können. Mehr noch — fühlen wir uns als Bruchstück von etwas großem. Von etwas, das sich wieder zusammenfinden muß.

Der Tropfen aus dem Regenbogen; die Träne Gottes — war die Geburt der Emotionen und des Seins. Erst beseelt von dieser Melodie schien alles einen Sinn zu haben — insbesondere das Tanzen.
Und so begannen die Geschöpfe zu tanzen; ganz gleich ob Vögel in der Luft oder Tiere am Boden; ein jedes Wesen bewegte sich fortan individuell im Takt zu einer unhörbaren Melodie. Auch die Sprache wurde klangvoller und harmonischer und schon bald trillerten Vögel ihre Lieder, und ganze Orchester an Tierstimmen trugen ihren Anteil bei — und wenn wir Menschen heute musizieren und Lieder singen, stellt sich nicht die Frage warum.

Vielmehr stellt sich die Frage, ob diese Melodie in ihrer Reinheit und Vollkommenheit damals zufällig entstanden sein kann, oder von einem Gott dirigiert wurde. Vielleicht — ist diese Melodie auch die codierte DNA des Universum. Der Bauplan von etwas, was einst einmal war und irgendwann auch wieder sein wird. Von etwas, das in der Zwischenzeit einfach nur schwingt, wie Wellen des Lichts und des Schalls; auf der Suche nach dem perfekten Akkord.

3. Die Melodie allen Seins



In der heutigen Zeit; nach über 4,6 Milliarden Jahren Erdgeschichte und Evolution; sehnt sich noch immer jedes beseelte Lebewesen nach der Melodie allen Seins.
Jedes Mal, wenn in einer befruchteten Eizelle ein neues Leben entsteht, wird aus zweierlei DNA eine Schnittmenge gebildet und zu einer neuen DNA verwoben. Dieser unbeschreiblich komplexen Vorgang wird fast gänzlich durch die DNA gesteuert — aber er beinhaltet einen gewissen Spielraum für den Zufall.

Die DNA einer einzelnen menschlichen Zelle, wäre etwa 1,80 m lang, wenn sie sich nicht als in sich gedrehte Doppelhelix, in eine kleine Körperzelle zwängen müßte. Mit etwa 3 Milliarden Basenpaaren hat dieses eine Genom einen Informationsgehalt der fast 1000 Büchern entspricht. Welche Kraft ordnet diese unzähligen Basenpaare nach einem festen Muster und erlaubt ihnen dennoch in ihrer Drehung, hier und dort auch noch ihre frei gewählte Kür einzubauen?
Es kann nichts anderes sein, als jene Grundschwingung der Materie zur Melodie des Lebens, jenem einzigartigen Lied, das allem innewohnt.

Seit unserer Zeugung schwingen unsere Gene zu den zwei Melodien, die wir vererbt bekommen haben und aus der wir unsere eigene Harmonie schufen. Alles was von außen an Geräuschen in uns eindringt, als gehörter Ton oder empfundene Resonanz; muss mit unserer inneren Melodie vereinbar sein um nicht als störend empfunden zu werden.

Nachgewiesen verändern Lärm, sanfte Naturgeräusche und auch jegliche Musik den Herzschlag, den Blutdruck, die Atemfrequenz und die Muskelspannung des Menschen. Je nach Genre der Musik wird unser Hormonhaushalt beeinflußt und kann uns erregen, beruhigen und sogar Schmerzen lindern.
Zudem verbinden wir Musik mit persönlichen Ereignissen. Wird sie wieder gehört, dann kommen auch die Erinnerungen wieder, genauso wie die damals empfundene Gefühle. Bereits im Mutterleib hörten wir als Babys wie in unserer Mutter das Blut durch die Adern rauschte und Atemluft in die Lungen ein — und ausströmte. Diese Geräusche bleiben uns ein Leben lang vertraut und Klänge, die diesen nahe kommen erfüllen uns stets mit dem Gefühl der Geborgenheit. Nicht ohne Grund beruhigen Mütter noch heute instinktiv ihre Babys mit einem sanften „Sch…”; einer Komposition aus dem Geräusch der Atmung und dem von wogendem Wasser, …wie leichtes Meeresrauschen.

Die Harmonie ist Grundlage und Beginn unseres Seins. Die Suche nach DER einen Melodie, von der wir nur noch ahnen, dass es sie einst einmal gab, steckt in jeder einzelnen unsere Zellen. Selbst in der Partnersuche verbirgt sich nichts anderes, als eine Seele zu finden, deren Klang in Harmonie zu unserer eigenen schwingt; damit die Nachkommen der Ur—Melodie einen Schritt näher kommen.

Wir suchen und finden Lieder, die uns gefallen, die uns motiveren, die uns in Freude oder in Melancholie versetzen. Wir haben Lieder zum tanzen, zum joggen, zum unter der Dusche singen…
…was wir noch suchen und finden müssen, sind Lieder
— mit denen man jeden Krebs heilen kann
— und die die Liebe wachsen und den Hass schrumpfen lassen.

Und eines Tages finden wir vielleicht sogar diese eine perfekte Melodie, bei der der Schöpfer, vor lauter Freude — noch einmal eine Träne weint; oder alles — was zusammengehört — wieder zusammenbringt.

(Gerhard Feil)

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