Gideon versteht die Welt nicht mehr

„Ich verstehe die Welt nicht mehr”, sagte Gideon mit herzzerreisender Stimme.
„Ist es die Welt im großen und ganzen, oder eher ein klitzekleiner Teil der Welt?”, fragte die Informationsschamanin nach.
„Es ist im großen und Ganzen meine klitzekleine Welt”, sagte Gideon und hoffte sich korrekt ausgedrückt zu haben.
Die Schamanin schaute Gideon tief in die Augen und warf einen kurzen Blick in sein Herz.
„Aha”, sagte sie wissend, „… da es um eine Frau geht, gehen Sie bitte zum Geist- und Seelenheil-Schamanen auf dem Gipfel des Annapurna.”

„Ich verstehe die Welt nicht mehr”, sagte Gideon ein wenig außer Atem.
Der G&S-Schamane gab Gideon einen Buttertee und sagte: „Ich bin Heiler, kein Lehrer. Was also glaubst Du, kann ich für dich tun?”
„Ich weiß es nicht!” schluchzte Gideon. „Ich bin kein Gläubiger, sondern Poet, und noch dazu kein besonders guter.”
Der Schamane warf einen Blick in Gideons Herz und meinte: „Gegen deine Beschwerden ist ein Kraut gewachsen, aber auch Worte die dir helfen können gibt es viele.”
Gideon horchte auf. „Worte die weh tun oder solche die gefallen?”
„Heilende Worte, Worte der Weisheit und der Erkenntnis”, erläuterte der Schamane.
„Und wie komme ich an diese Worte?”
„Du findest sie bei Swami Shuddhananda Giri. Er ist Sanskritgelehrter und Poet.”

„Ich verstehe die Welt nicht mehr”, sagte Gideon.
Swami Shuddhananda griff nach Gideons Hand und fühlte den Puls.
„Morgentau und Abendröte sind A und Z der Tagesnöte”, sagte der Swami und registrierte erfreut eine Veränderung in Gideons Pulsschlag.
„Gut, sehr gut!”, meinte er, „Du bist der Worte nicht abgeneigt, das ist sehr hilfreich. Erzähle mir was dich verwirrt.”

Spät am Abend, nachdem Gideon endlich ausgesprochen hatte, fasste der Swami zusammen.
„Also du hast eigentlich alles richtig gemacht und trotzdem offenbar falsch. Du hast alles gegeben aber davon nicht genug und du hast nichts bekommen und das wurde dir beinahe zuviel. Vor allem aber wolltest du eine Frau glücklich machen und bist an der Aufgabe gescheitert, den puperitären Sohn dieser Frau zu unterhalten, der eigentlich gar nicht unterhalten werden sondern einfach nur jede freie Minute vor seiner x-Box sitzen wollte. Und zum Schluss hat diese Frau dich verlassen, weil sie jemanden kennengelernt hat, der ihrer Meinung nach, ihrem Sohn mehr von der gar nicht gewünschten Aufmerksamkeit zukommen lassen könnte?”
„Ja!”, schluchzte Gideon.
„Mir scheint, dein Problem ist bereits gelöst.”
Gideon schaute fragend drein.
„Schlafe eine halbe Nacht”, sagte Swami Shuddhananda Giri zu Gideon, „Morgen früh werde ich Dir ein Mantra schreiben.”

„Guten Morgen Gideon”, sagte der Swami und begann unverzüglich das für Gideon geschriebene Mantra zu rezitieren.

„Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß.
Die Frau muß tun, was Sie für richtig erachtet.
Der Junge wird vielleicht unterhalten werden.
Das Wort fällt so, wie es geworfen wird.
Und alles scheint nur so, wie das Licht drauffällt”

„Sieben mal sieben Tage und eine weitere Nacht musst du dieses Mantra aufsagen, bis dein Herz geheilt und dein Verstand versteht”, sagte Swami Shuddhananda Giri.
„Das sind fünfzig Tage!” jammerte Gideon.
„49 Tage und eine weitere Nacht - um genau zu sein”, meinte der Swami, „für knapp fünf Jahre Liebe eine durchaus angemessene Aufarbeitungszeit.”
„Und danach werde ich Antworten auf all meine Fragen haben?”
„Nein, keine Antworten. Aber Du wirst bis dahin die Fragen vergessen haben.”


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