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Azur

Hier bin ich.
Zwei Monate vor Silvester, eigentlich kein Zeitpunkt um sich den Scherbenhaufen des eigenen Daseins vorzuhalten und großartige Vorsätze zu schmieden.
Was soll's! Und was heißt „Hier bin ich”? Wo ist HIER? Wer bin ICH? Und BIN ich wirklich?
Ist das, was ich hier tue, ein SEIN, ein Leben?
Wenn ich hier bin, wo war ich gestern? Wo werde ich morgen sein? Wo will ich eigentlich hin?
Fragen, nichts als Fragen. Einmal nur, einmal will ich jemanden kennen lernen, der mehr Antworten als Fragen kennt. Z.B. auf die Frage: Ist Blau grüner als Gelb?
Warum stell ich mir solche Fragen? Warum sag ich nicht einfach Azur als Antwort auf ungestellte Fragen. Warum Azur? Ich kann es nicht lassen. Immer muss ich alles hinterfragen. Ich frage mich warum das so ist. (Sehen Sie, ich tue es schon wieder)
Das Problem mit der Frage nach dem Sinn des Lebens liegt darin, sich die Frage zu stellen.
Glücklich ist nicht der, der die Antwort gefunden zu haben glaubt, sondern alle, die sich mit der Frage erst gar nicht auseinandersetzen.
Dabei setze ich mich doch gar nicht mit der Frage auseinander. Ich stelle sie mir nur. Ich such gar keine Antwort. Ich begnüge mich damit, keine Antwort zu haben. Ich lasse die Frage stehen, im Raum, im Hintergrund zu allem womit ich mich ablenke.
Sie hat gegen den Fernseher keine Chance. Aber sie ist hartnäckig und ausdauernd.
Es ist Oktober (wirklich? Immer noch, oder schon wieder?) ES IST OKTOBER! Wie lang steht die Frage nun schon hinter mir und bläst mir Schauer über den Rücken und über die kalte Schulter die ich ihr zeige? Lang genug, um bei mir Verspannungen zu verursachen. (Vermutlich hab ich mir nur einen Zug geholt.)

Vorhin haben sie mich gestellt. Ich stand mit dem Rücken zur Wand und schaute in einen Spiegel.
Die Fragen schlugen mir hart ins Gesicht. Wer bist Du? Wer willst Du sein. Was ist der Sinn deines Lebens?
Ich konnte nicht ausweichen. Ich musste Rede und Antwort stehen. Nicht einmal den Blick zu senken war mir erlaubt.
Nach mehrmaligem räuspern antwortete ich: „Ich weiß es nicht.”
Kein Widerspruch, kein Tadel. Die Fragen gingen einfach weg und ließen mich allein zurück. Keine Fragen mehr. Nach all den Jahren.
So einfach? Ich konnte es kaum glauben. Die ganze Zeit über dachte ich eine möglichst brillante Antwort auf diese Fragen haben zu müssen. Und dabei wollten sie einfach nur eine Antwort. Irgendeine Antwort.
Wenn ich das geahnt hätte, ich hätte schon damals AZUR gesagt.
Die eine Antwort ist Rot.
Es könnten tausende Fragen sein - ich kenne sie nicht alle, kann sie gar nicht alle kennen, weiß nur die Antwort: Rot!
Und vier! Eine schöne Antwort auf die Frage was zwei plus zwei ist oder was neun minus fünf ergibt. Oder auf die Frage nach der Anzahl der Jahreszeiten. Vier!
Nein, ich habe keine Fragen. Aber ich kenne die Antworten.
Stellen Sie mir irgendeine Frage, auf die ich mit „vier” antworten kann.
Sehen Sie! Natürlich geht es mir gut. Der Himmel, das Meer, …ich.
Alles Azur. Ich habe sogar auf die Frage aller Fragen die ultimative Antwort gefunden.
Wie sie lautet?
„Ich weiß es nicht! ”
© Gerhard Feil   https://www.gegge.de