unveröffentlichtes - 03/2018

Enttäuschtes Erwachen

Dein Schlaf
ist kein Schlaf
und dein Leben
ist kein Leben mehr

Und wenn du
hin und wieder
aus deinen Träumen
kurz aufwachst —

dann vermutlich nur
um nachzusehen,
ob du schon tot bist.

(Gerhard Feil)

wenn Gefühle über sich hinauswachsen

wenn Gefühle über sich hinauswachsen,
Zuneigung sich weit mehr als nur neigt,
Körperlichkeit über das körperliche hinausgeht,
Herzlichkeit sich keineswegs auf das Herz beschränkt…

… dann kann alles Schwere
plötzlich ganz leicht werden
oder das Leichte unerträglich Schwer.

(Gerhard Feil)

Blickrichtung ohne Schuldfrage

Dich sehe ich an und blicke dabei
weit zurück in meine Vergangenheit —
Du aber, blickst nach vorne in die Zukunft —
sozusagen in die andere Richtung.

Nun blicken wir uns an,
mit zweierlei Blickrichtungen,
die sich nirgends kreuzen
Und mir wird bewußt,
dass du mir keine Antworten schuldest —
auf Fragen,
welche zu stellen
ich dir schuldig blieb.

(Gerhard Feil)

Du schleichst dich fort

Ohne zu gehen
entfernst du dich
und ohne ein Wort
an uns zu richten
richtest du dich
in einer Welt ein
die nicht unsere ist

Du schleichst dich fort
wie ein Dieb
und blickst nicht zurück.

(Gerhard Feil)

Stimmgewaltig

Ich stimme mit dir überein
und einstimmig bestimmen wir
as eigentlich alles stimmen würde,
wäre da nicht
dieser zweifelnde Unterton in deiner Stimme.
Verstimmt schweige ich
und dieses Schweigen sagt mehr als Worte.
Das letzte Wort aber hat der Augenblick.

(Gerhard Feil)

Es ist nicht Hoffnung

Dir gewähre ich Einblick in mein Herz
und beantworte deine stillen Fragen
wie ein offenes Buch ohne Siegeln.

Doch du…
liest nicht einfach nur in meiner Seele
du nimmst einen Stift und schreibst darin.

Es ist nicht Hoffnung, die mich veranlasst
dich einfach gewähren zu lassen —
es ist Vertrauen.

(Gerhard Feil)

Mit Dir wurde es Licht

Mit Dir wurde es Licht
Und selbst jetzt,
da deine Flamme erloschen ist
stehe ich keineswegs im Dunkeln.

Warm bleibt die Erinnerung
und Hell bleibt das Gedenken

(Gerhard Feil)

Verblasste Hoffnung

Was hatte es nicht
alles versprochen
dieses schöne Jahr.
Dieser frühe Frühling
dieser heiße Sommer
und der goldene Herbst.
Trüb grau trist kalt
steht nun der Winter
vor meinem Fenster.
Zweifelnd, ungehalten —
im wahrsten Sinne,
blicke ich dem Sommer nach.
Nicht das Jahr ist vorbei
nur die Hoffnungen sind
unter buntem Laub begraben.
Bis der erste Schnee fällt
trüb grau trist kalt
Zartflockige Schwermut.
Bodenfrostige Hoffnung
erstarrt zur …losigkeit
aller leuchtend Farbe beraubt.

(Gerhard Feil)


Es gibt kein Wort

Es gibt kein Wort welches auszudrücken vermag, wie ich mich gerade fühle.
Nicht mal ein Satz wäre in der Lage, all diese Widersprüche in sich zu vereinen.
Auch kein Gedicht könnte diese in sich verknotete, tief verbundene Zerrissenheit zum Ausdruck bringen.

Es gibt kein Wort und keine Worte.
Töne gäbe es!
Aber die harmonieren nicht miteinander.

In einer fremden Welt gäbe es eine Farbe, die all das auszudrücken vermag:
Ein warmes, grell leuchtendes Schwarz!

(Gerhard Feil)

Genug gelitten

nach all den Jahren
hast du deine Schmerzen abgelegt
die letzte Mühsal ausgeatmet
dich aufgerafft, ohne aufzustehen
und ohne Angst, ganz unbefangen
bist du im Schlafe von uns gegangen.

Einen großen Schritt
bist du vorausgegangen
und dennoch …
Ich sehe dich vor mir
fühle dich in mir
und weiß dich bei mir.

Wie das Wachs einer Kerze
ernährte dein Körper
die Flamme deiner Seele.

Und wie das Wachs einer Kerze
nährt nun deine Seele
die ewige Flamme der Liebe.

für meine Mutter, Ilse Feil, 08.03.1946 — 17.09.2018

(Gerhard Feil)

© Gerhard Feil   https://www.gegge.de