Ein Brief an den Teufel…


Verehrter Teufel,

oder darf ich Dich mit dem Vornamen anreden?
Jetzt, wo wir doch einen Pakt geschlossen haben.
Mein Freund, mein Partner im Kampf gegen den schmierigen Schwachsinn.
Jetzt kriegen wir das gebacken (in Deinem Ofen).

Ich weiß, wir dürfen die andere Seite nicht ganz vernichten.
Es ist ein Teil des großen Paradoxons.
Wie sagtest DU so schön?
„Das Spiegelbild und das, was vor dem Spiegel steht, brauchen einander dringender als den Spiegel der sie trennt.”
Ich hoffe, Du erklärst mir (zur gegebenen Zeit) auch noch, wer diese dritte Kraft im Kosmos ist, von der Du immer wieder so geheimnisvoll sprichst.

Nun, Luzifer (ich darf Dich doch so nennen?),
ich habe mir Gedanken gemacht. Wahrscheinlich lächerliche, weil ich ja so unwissend bin - aber Du sagtest, ich wäre ein schlaues Kerlchen, und „oft hat der Narr eine Lösung in der Hand, die der Weise dort nicht suchte”.

Also ich fasse erst mal kurz zusammen:
Gut und Böse brauchen einander dringend, können einzeln allein für sich nicht existieren. Die beiden Parteien (fast hätte ich Himmel und Hölle geschrieben) werden von einer dritten Macht zueinander gespiegelt. Beide streiten sich um die Herrschaft über die Menschheit, weil deren Werdegang das Spiegelbild erzeugt, an dem man wiederum erkennen kann, welche Macht das Orginal ist und welche nur ein Spiegelbild.
Entschuldige, dass ich Dir das alles aufliste. Dir ist das alles natürlich bekannt. Du hast „das Wissen” - ich habe nur „den Glauben”. Aber es ist ein Teil meiner Beweisführung und ich will alles möglichst schlüssig darlegen.

Nun, ich habe mir Folgendes ausgedacht:
Zurzeit stehen wir scheinbar schlecht da. Die Zahlen sprechen gegen uns, und die jüngsten Aktivitäten unserer Mitglieder haben eine für unsere Seite sehr negative „Bewusstseinswelle” bei den Menschen ausgelöst.
Was die Statistik betrifft, so gibt es äußerst effektive Rechentricks, mit denen sich Statistiken problemlos beschönigen lassen.
Natürlich kennen die Menschen auch diese Tricks - aber jetzt paß auf:

Wir rechnen unsere Zahlen nicht schön, sondern schlecht!
Wir tun so, als ob wir wahnsinnig viele Mitglieder verloren hätten.
Daraufhin werden die Anderen ziemlich sicher wie folgt reagieren.
Erstens werden sie aufhören uns zu bekämpfen. (Da sie uns ja nicht vernichten dürfen.)
Zweitens werden sie Prämien beantragen. (Das Gute will belohnt werden.)
Drittens werden sie ein Fest organisieren. (Das Gute feiert gern.)

Bis hierher bin ich mir meiner Sache ziemlich sicher. Ich war lange genug in dem anderen Verein, um deren Gepflogenheiten zu kennen. *grins*
Wenn ich mich nicht irre, werden für die Prämien wieder zahlreiche Menschen bluten müssen. Außerdem werden sich Hunderttausende beim Fest zu Tode langweilen. (Die Partys der Guten sind wirklich ziemlich fad).
Ich denke mal, ich kann mir weitere Schussfolgerungen ersparen. Du kennst die Abgründe der menschlichen Seelen gut genug, um das in dieser Intrige steckende Potential zu erkennen.
Dann kommt also Schritt 2.
Nachdem wir so schnell und einfach neue Mitglieder auf unsere Seite gebracht haben, werden die von der anderen Seite vor Schreck wie gelähmt sein. (Das nehmen wir auf VHS auf ;-) Und noch bevor sie sich vom ersten Schreck erholen können, reichen wir eine (diesesmal) schöngerechnete Statistik hinterher. (Du hast mich wirklich vieles gelehrt!)

Auf den dritten Teil meines Plans bin ich ganz besonders stolz.
Allerdings musst Du mir vertrauen.
Wir tun so, als ob ich vertragsbrüchig geworden sei.
Nein, nicht dass ich Dir meine Seele schuldig bleiben wollte. (So etwas könntest Du mir nicht durchgehen lassen, das würde viel zu viele auf den Gedanken bringen, es mir nachzumachen. Außerdem würde das Deinem Image schaden.)
Nein, mein Plan ist, folgendes Gerücht in die Welt zu setzen:
„Mein Respekt und meine Achtung vor Dir waren so groß und meine Bewunderung für Dich war so tief, dass es mir (aufgrund meiner menschlichen Unvollkommenheit) nicht möglich war, Dich so zu hassen, wie es Dir gebührt hätte. Im Gegenteil, ich begann Dich zu lieben! Liebe - das weiß nun wirklich jeder - hat beim Teufel nichts zu suchen. Liebe ist Dir verhasst und verboten. Also bestrafst Du mich mit dem, was das Schlimmste ist, das man einem liebenden Menschen antun kann. Du schickst mich weg. Kein Fegefeuer, keine Erlösung durch den Tod - Du schickst mich einfach weg. Jeder wird Dich für Deine Grausamkeit bewundern.”
Mit diesem Gerücht lösen wir unseren Pakt (zum Schein), ohne dass Du dabei Dein Gesicht verlieren würdest.

Du fragst Dich sicher, was an diesem Plan denn bitte genial sei?
Nun, mein lieber Freund Luzifer …

vertrau mir oder zweifle

… wir wissen schließlich beide, daß ich der „Spiegel” bin.


eggeG nieD


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