Vom Kneten des Teiges und der Ruhe danach.




Es war einer dieser heißen Sommertage, an denen einem schon Vormittags selbst im Schatten alleine beim Gedanken an körperliche Anstrengung bereits der Schweiß rann.

Er stand frisch geduscht und — abgesehen von einem leger um die Hüften gewickelten Handtuch — splitterfasernackt in der Küche und zerbröselte frische Hefe in lauwarmes Wasser und gab gut zwei Tassen Mehl dazu.
Im Wohnzimmer spielte Musik. Im Bad plätscherte die Dusche.
Auf der Fensterbank zwitscherte ein Vogel und sah ihm zu.

Aufgeschreckt entflatterte der Vogel, als der Kater in die Küche spazierte um den Status seines Freßnapfes zu überprüfen, für gut zu befinden und sich mit einem zarten Maunzen und einem achtsamen um die Beine schlängeln zu bedanken.
Max schüttete den Vorteig in die Schüssel Mehl, gab Salz und Olivenöl hinzu und begann alles zu vermengen.
Im Wohnzimmer spielte ein neues Lied. Aus dem Bad hörte er sie mitsingen.

Er began den noch extrem klebrigen Teig zu kneten. Vor nicht langer Zeit hätte er sich gefragt, ob es zuviel Mehl oder zuwenig Wasser war. Mittlerweile hat er gelernt, dass es selten eine Frage der Mengen ist — sondern eine der Zeit, die man sich lässt. Wie bei so vielem im Leben.
So wie auch in der vergangenen Nacht. Sie haben sich so intensiv geliebt, wie schon lange nicht mehr. Als hätten sie mehr Zeit als Lust gehabt und das, obwohl die Lust schier grenzenlos erschien.
Der Geruch der frischen Hefe stieg ihm in die Nase und passte mit seiner eigenartig obszönen Duftnote zu den Erinnerungen dieser Nacht.

Sie kam in die Küche, lächelte ihr zauberhaftes Lächeln und strahlte ihn an wie eine Frau nur strahlen kann, wenn sie entweder guten Sex hatte — oder ein neues Paar Schuhe. Sie hatte beides.
Sie gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss in den Nacken und streichelte seine Brust. Dann entriss sie ihm das Handtuch und band sich damit einen Turban.
Max empfand diesen Vorgang immer wieder als etwas wundervolles.
Eine Handlung die sich seinem sonst durchaus fixen Auffassungsvermögen völlig zu entziehen vermochte. Wie sich das lange nasse Haar über das Frottee fächert um in weniger als einem sichtbaren Augenblick in einem kunstvollen Knoten verschwunden zu sein.
Sie lachte ihn aus seinem T-Shirt an. Es war gerade lang genug um ihre Scham zu verdecken und auch vom knackigen Po waren nur die zwei hellen Falten unter ihren Arschbacken zu sehen, die sie seit dem letzten Solariumbesuch noch hatte.
Und zugleich war es anschmiegsam und weich genug um sich ihren Rundungen hinzugeben.

„Pizza?”, fragte sie ihn.
„Heute Abend.”, antwortete er und knetete den mittlerweile schon sehr festen Teig mit geübten Handgriffen.
Ihre Augen folgten seinen Händen. Sie liebte diese Hände. Groß und kräftig, ein bisschen rauh aber dennoch so zärtlich. Nie grob und doch so viel Schutz und Geborgenheit bietend.
Ihr Blick beobachtete die Muskelspiele seiner Unterarme, die der Oberarme und dann das der Schultern.
Eigentlich stand sie nicht auf Muskeln, dachte sie immer. Und tatsächlich war es nicht die Masse, die sie so verzückte, sondern die sichtbare Kraft unter dieser zarten Haut.

Als er beim kneten das Gewicht von einem Bein auf das andere wechselte und sich seine Körperspannung von einer Pobacke auf die andere verlagerte, gab sie ihrem Verlangen nach und schmiegte sich an seinen Rücken. Trotz des T-Shirts spürte er ihren Bauch warm an seinen Hintern und ihre Brüste auf seinem Rücken. Sie vergrub ihre Nase in seinem Haar und ihre Arme griffen unter seinen hindurch an seine Brust und wanderten langsam abwärts.
Aber ihre Hände gaben seinem Schwanz keineswegs genug Zeit um ihnen ein Stück weit entgegenzukommen.
Er seufzte auf, als sie begann seine Hoden zu massieren.
„Schatz…lass mich kurz noch den Teig zudecken und mir die Hände waschen.” sagte er; und fand für nichts dergleichen noch Zeit.
Sie antwortete ohne Worte obwohl sie durchaus die Lippen und die Zunge benutzte — und im Grunde wußten auch beide, dass sie schon bald wieder duschen und die Küche aufräumen müssen.

„Also … da kann sich dein Teig aber ein Beispiel nehmen”, sagte sie entzückt über das rasche Ergebnis ihrer Lippenbekenntnisse.
Max löste ihren Turban auf, wischte sich die Teigreste daran ab und warf ihn über den Teig.
Dann fanden sich seine Hände in ihren noch leicht feuchten Haaren wieder, während er sich in einem Orgasmus verlor und sich in einem Kuss wiederfand, der nach etwas neuem schmeckte.
Lachend sagte sie: „Schluck es einfach runter. Schmeckt übrigens deutlich besser, seit du nicht mehr rauchst.”

Dann gingen sie gemeinsam duschen und Zähne putzen.
Im Wohnzimmer spielte ein neues Lied.
Der mittlerweile zugedeckte Pizzateig ruhte in der Küche und ging unter den wachsamen Augen des Katers um ein vielfaches auf.

(Gerhard Feil)

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