(un)begrenzte Möglichkeiten – des Verlangens

Leben will gelebt sein.

Irgendwo
zwischen unerwiderten Gefühlen
und unerfüllten Erwartungen
muss vielleicht nicht
jede Neugier befriedigt sein
aber letztendlich ist doch
nur das Ende von allem
sich selbst genug.

(Gerhard Feil)

Erdrückendes Nichts

Ein Gedanke, ein Gefühl,
ein Wunsch, eine Sehnsucht
oder ein Verlangen –
all das hat kein Gewicht.
Ein Mensch kann bis an den Rand
voller Emotionen sein –
sie machen ihn nicht schwerer.
Aber jede Einzelne von ihnen
und insbesondere ihre Summe
liegt schwer auf seinen Schultern.
Und zu all dem,
was angeblich nichts wiegt,
kommt noch jenes hinzu,
was dem Menschen fehlt.

Erdrückendes Nichts.

(Gerhard Feil)

Nichts wäre einfacher

Was wäre eine Zuneigung,
wenn sie frei wäre von Verlangen?
Was wäre ein Verlangen,
wenn es frei wäre von Zuneigung?
Was wäre eine Liebe,
wenn sie nicht beides hätte?
Nichts wäre sie,
und nichts wäre einfacher.

(Gerhard Feil)

kein Schnäppchen


Was du mir schenken möchtest
hat durchaus einen hohen Preis.

Deine Liebe
mag frei von Bedingungen sein –
frei von Erwartungen ist sie nicht.

So seltsam ist es da nicht
wenn mein unersättliches Verlangen
auf einmal gestillt ist.

(Gerhard Feil)

aus dem Lexikon des Alltags

Zuneigung.
Erwiderte Zuneigung
trifft sich meist in einem Kuss
oder in einer Umarmung.
Bei einseitiger Zuneigung
kann es oft auch vorkommen,
dass man auf die Nase fällt.

(Gerhard Feil)

Durchmicheinandergebracht

Ich möchte dich doch nur
begreifen und verstehen
und dir einen Kopf geben.
Aber das
begrapscht und streichelst
du ja nicht, weil es dir
nicht in den Kuss geht.

(Gerhard Feil)

Langsam solltest du mich kennen

Du bist in meinen Gedanken,
in meinem Kopf, Bauch und Herzen.

Selbst meine Träume sind dir nicht fremd.

Also dafür, dass du an mir angeblich
kein großes Interesse hast,
verbringst du recht viel Zeit in mir.

Kann es sein,
dass du dich vor mir versteckst –
in mir ?

(Gerhard Feil)

Einfach nicht genug

Wo ich mich finde
will ich dich nicht missen
Dort reiche ich mir nicht selbst –
nicht einmal die Hand.
Dort bin ich mir für mich alleine
einfach nicht genug.

(Gerhard Feil)

Maßlose Sehnsucht

In welcher Einheit
soll man Sehnsucht messen?

Die Länge ihrer Dauer,
den Umfang der Gefühle,
den Winkel der Zuneigung
oder das Gewicht, mit dem sie
einem auf der Brust liegt?

Maßlose Sehnsucht
reicht weit über das Ende
jeder denkbaren Skala hinaus.

(Gerhard Feil)

Von allen Abständen
der mit Abstand schlechteste

Manchmal bin ich dir nahe
und möchte dir
noch näher sein.

Manchmal bin ich dir fern
und wünschte dich
mir noch ferner.

Meistens aber
bist du mir unvergesslich nah
und unerreichbar fern.

(Gerhard Feil)

© Gerhard Feil   https://www.gegge.de