unveröffentlichtes - 04/2018

von Nähe und Abstand

So nahe möchte ich dir sein,
dass zwischen uns für deine Sorgen
kein Platz mehr bleibt.

So viel Abstand will ich halten,
dass der Verwirklichung deines Selbst
keine Grenzen gesteckt werden.

An dich anschmiegen will ich mich
wie ein passendes Puzzleteil mit dir verbunden sein
zum Bild des Augenblicks.

Loslassen will ich dich
um aus dem Abstand heraus nur mit den Augen
Dich zu streicheln.

So nah möchte ich dir sein,
dass keiner mehr sagen könnte
wo du beginnst und wo ich ende.
So tief in dir sein,
dass ich mich spüre
wenn ich dich streichel.

So fern will ich dir bleiben
dass Du mich an deinen Knöcheln
nicht als Fessel spürst.
Für deinen Sprung ins Abenteurer
will ich das lockere Seil
an deinen Füßen sein.

Dir unendlich Sicherheit geben
ohne deine Freiheit einzuschränken
- so nah möchte ich dir sein.

(Gerhard Feil)

Ach … könnt ich nur

Ach könnt ich nur
mit meinen Worten
eine Brücke weben
die zu Dir reicht
wie die Hand
die ich Dir reichen will.

Ach könnte ich nur
mit meinen Worten
selbst aus der Ferne
Dir so Nahe sein
und in dieser Nähe zart -
und in dieser Zartheit
dich warm spüren.

Ach könnte ich nur
mit meinen Worten
dich auf einer Brücke
schon aus der Ferne
zart warm spüren
und dabei schweigend
nichts als dich atmen.

(Gerhard Feil)

Alles im Griff

Du hast alles im Griff
Deinen Job
Deine Finanzen
Deinen Alltag
All das hast du im Griff

aber nicht minder
im Griff hat all das
dich.

(Gerhard Feil)

Du tust mir gut.

Du tust mir gut. Mit jedem Wort.
Und zwar an einer Stelle,
an die ich selber nicht hinkomme.

Du tust mir so gut, dass ich
vor lauter Freude weinen könnte,
nur um dann über jede Träne zu lachen.

(Gerhard Feil)

Die kurze Romanze

Buchstaben fanden einander,
Wörter reichten sich die Hände,
Sätze nahmen sich in die Arme.
Absätze tanzten — unbeschwert.

Mit zauberhafter Leichtigkeit
erschuf sich aus dem Nichts
eine Geschichte mit einer Melodie
die laut gesungen werden wollte.

Zwischen den Zeilen brodelten
Hoffnungen und Wünsche
Sehnsüchte kochten ihr Süppchen
und Zweifel und Ängste versalzten es.

Unvermittelt verstummte die Melodie.
Die Geschichte zerfiel in Sätze
die wiederum in Worte zerfielen
und alles leichte ward wieder schwer.

Es blieb zurück — ein Haufen
aus verwirrten Buchstaben,
von denen nicht mehr als vier
noch zueinander standen

ende (Ein Bruchstück von Liebende)

(Gerhard Feil)

© Gerhard Feil   https://www.gegge.de