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Männergrippe (von Gerhard Feil)

Habe mich zur Apotheke geschleppt. Gott sei Dank sind das nur ein paar Meter.
Der Apotheker begrüßt mich mit seinem „365-Tage-im-Jahr-gut-gelaunt-und-nie-erkältet-Grinsen” und fragt ...nicht.
Stattdessen teilt er mir unaufgefordert die Diagnose seines geschulten Blickes mit: „OHA! Ein grippaler Effekt.”
„Nein”, widerspreche ich ihm, „Eine ausgewachsene Männergrippe, die sich SIE schreibt.”
„Was genau haben Sie denn für ...”
„An Beschwerden hab ich ALLES. Und gegen ALLES brauch ich Pillen.
Nix zum Einreiben, weil ich nirgends gut hinkomme und nix zum Gurgeln, weil das Zeug bringe ich nicht runter.”
Der Apotheker überlegt einen Hauch zu lange, in Anbetracht der Tatsache, dass meinem jungen Leben gerade drastisch hintenaus die Zeit davonläuft.
„Geben Sie mir bitte einfach eine Packung Aspirin Complex und ein Wick MediNait.”
„Wenn es damit in vier Tagen nicht besser wird, sollten Sie damit aber zum Arzt gehen.”
Nein - wenn es in zwei Tagen nicht besser ist, lasse ich den Pfarrer kommen.”
Der Apotheker lacht. Ich finde es ehrlichgesagt unangebracht einem Sterbenden ins Gesicht zu lachen - will mich aber so kurz vor meinem Dahinscheiden nicht mehr versündigen und verabschiede mich mit einem „Leben Sie wohl und bleibens Gesund!”

Zwei Tage später lasse ich den Pfarrer kommen.
Unter letzter Ölung hatte ich ehrlich gesagt was anderers erwartet.
Ich dachte der würde mir den Rücken massieren - stattdessen wollte der über Gott reden.
Das Gespräch fiel selbstredend kurz aus, denn mir blieb nun wohl doch nur der Weg zum Arzt.

„Selbst wenn Sie wiehern könnten wie ein Pferd - ich dürfte Sie dennoch nicht erschießen” meinte der Tierarzt.
„Warum? Hat denn der Tierschutz auch schon die Sterbehilfe für kranke Pferde abgeschafft?”
„Ja hat er. Außerdem sind Sie kein Pferd. Wenn Sie ein Pferd hätten wären Sie vielleicht ein Reiter. Aber ein Reiter ohne Pferd ist nur noch ein Mensch.”
„Ja,ja,ja...” ich trottete davon ohne dabei erneut das Geräusch von Hufen zu immitiern.
Keine hundert Meter später summierte sich die Summe meines Leidens auf 400 % des erträglichen Maßes:
Kopf-und Gliederschmerzen. Hals- und Ohrenweh, Luft krieg ich auch nicht recht und woher ich die Kraft zum Husten finde bleibt ein Rätsel.. und dann - weil mir ja auch wirklich nichts erspart bleibt, geht mir auch noch der Schnürsenkel am linken Schuh auf.
Ja Kruzefix, Herrgott nochmal, des darf doch net wahr sein. (durchatmen. ganz ruhig. )
Nein das sind keine Tränen! Und auch kein Schweiß! Das ist der pure Rotz, der mir schon zu den Augen rausläuft, weil die Nase zu ist und NATÜRLICH(!) kann ich mir den Schuh einfach nochmals binden.
Wenn ich mich bücken kann! Also vielleicht.
Vielleicht kommt ja grad wenn ich mir den Schuh binde, ein Omnibus um die Ecke.
(Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt)
© Gerhard Feil   http://www.gegge.de