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Gideon läßt den Kummer zu


Gideon hat sich einen Hagebuttentee gemacht und Buttergebäck mit Shalimar parfümiert.
Nun fühlt er sich ausreichend gewappnet und erlaubt dem Kummer von seinem Herzen Besitz zu ergreifen. Gideon läßt sich in seiner Relax-Liege nieder und denkt: „Der Kummer kann kommen.”
Und der Kummer kommt, wie meistens an trüben Herbsttagen durchs geschlossene Fenster, bündelt sich zu einer lichtlosen dunklen Stelle und sagt mit völlig unpassendem begeisterten Tonfall: „Schön, dich mal wieder zu treffen.”
„Hi!” antwortet Gideon dem Kummer. „Ich habe dich erwartet, mein treuer Feind.”
Der Kummer wirft einen verächtlichen Blick auf den Hagebuttentee. „Feind? Willst du in mir allen Ernstes einen Feind sehen?”
„Zumindest warst du mir kein guter Freund”, entgegnet Gideon und verscheucht die Kummerwolke von dem Buttergebäck. Der Kummer verzieht sich in die Küche und holt sich ein Bier.
Dann lässt er sich auf dem Sofa nieder, schaut Gideon fest in die Augen und fragt: „Warum hast du mich reingelassen?”
Gideon ist verwundert. „Du kennst mich doch. Ich konnte dich noch nie lange ignorieren oder gar verdrängen.”
„Ja, ich weiß, aber was soll ich hier, Gideon? Du bist gesund, frei ...”
„Hör auf,” fällt Gideon dem Kummer ins Wort, „du weißt genau, dass ich nicht glücklich bin.”
„Und warum wendest du dich dann an mich? Lass doch einfach zur Abwechslung das Glück herein.”
”Das Glück ist in letzter Zeit etwas unzuverlässig und außerdem habe ich es zu Elsa geschickt.”
„Elsa?”, fragt der Kummer. „Es geht also um eine Frau?”
„Es geht um Elsa. Ich vermisse sie!”
„Und was versprichst du dir von meiner Anwesenheit?”
Der Kummer schlürft laut sein Bier und schwebt wieder in Richtung Kekse.
„Als ob du das nicht wüßtest”, schnauzt Gideon den Kummer an und scheucht ihn ein weiteres Mal von den Keksen weg.
„Also, keine Spielchen heute? Sollen wir direkt zur Sache kommen?” Der Kummer verändert seinen Tonfall und klingt nun sehr ernst.
„Ja, fang an”, murmelt Gideon, trinkt noch einen letzten Schluck Tee und schnuppert am Gebäck.
Und der Kummer fängt an: malt ihm Bilder von Elsa in die Luft, täuscht ihm ihre Stimme vor, gibt ihm Erinnerungen an das Gefühl ihrer Nähe.
Und Gideon greift nach den Erinnerungen, umarmt die Bilder, lauscht ihrer Stimme und küsst das Gefühl ihrer Nähe.
Ein Schluchzen und Beben schüttelt Gideon, und ein Sehnen und Wünschen zerrt und durchströmt ihn voller Fühlen und Spüren.

Dann geht der Kummer, Gideon bleibt und die Hoffnung kommt.
Gideon sieht die Hoffnung an, wischt sich die Tränen aus den Augen und fragt: „Was kannst du mir versprechen?”
„Ich verspreche weder mich, noch etwas!”, antwortet die Hoffnung, „Denn Versprechen gibt nur die Zuversicht, aber die kann dir nicht helfen”.
„Und du bist hier um mir zu helfen?”, fragt Gideon die Hoffnung, „... oder willst du mir nur etwas vormachen?”
„Ich gebe nur Anregungen; Eure Geschichten schreibt Ihr Menschen selber”, versucht die Hoffnung Gideon sich zu erklären.
„Aber was, wenn ich die Hoffnung aufgegeben habe?”, will Gideon wissen.
„Wäre ich dann hier?”, entgegnet die Hoffnung und stöbert ein wenig durch Gideons Wohnung.
Gideon folgt der Hoffnung ins Bad und fragt: „Suchst du etwas Bestimmtes?”
„Nein, ich mach mich nur ein wenig frisch”, sagt die Hoffnung zu Gideons Spiegelbild und verschwindet im Regenwolkengrau seiner Augen.

Gideon schaut in den Spiegel, sich in die Augen und der Hoffnung nach.
Dann geht er ins Bett und träumt von Elsa.

Einmal steht Gideon auf und macht Licht an, um die Trauer, die er in der Ecke des Zimmers abgestreift hat, besser sehen zu können. Er reicht ihr weitere hundert Taschentücher und dann legt er sich wieder ins Bett und schickt einen Gedanken an Elsa.
© Gerhard Feil   http://www.gegge.de